## Was bedeutet die Warnung?
AirTags und ähnliche Bluetooth-Tags erleichtern das Auffinden von Gegenständen wie Schlüsseln, Koffern oder Taschen. Dieselbe Technologie kann jedoch missbraucht werden, um eine Person ohne deren Wissen und Einwilligung zu verfolgen. Eine Warnung auf Ihrem iPhone oder Android-Smartphone über einen „unbekannten Tracker, der sich mit Ihnen bewegt“ bedeutet nicht nur, dass sich ein Tag in Ihrer Nähe befindet. Sie weist darauf hin, dass sich ein mit einem anderen Konto verbundenes Gerät möglicherweise über einen bestimmten Zeitraum und entlang einer bestimmten Route mit Ihnen bewegt hat, nachdem es von seinem Besitzer getrennt wurde.
Die Warnung allein ist kein eindeutiger Beweis für eine böswillige Absicht. Auch ein vergessenes Tag in einer geliehenen Tasche, eine gemeinsame Fahrt mit einem Freund oder nebeneinander beförderte Koffer am Flughafen können eine Benachrichtigung auslösen. Schließen Sie die Warnung dennoch nicht unbedacht. Beurteilen Sie zuerst Ihre Sicherheit und prüfen Sie anschließend das Gerät und die aufgezeichnete Bewegung.
## Vorgehen in den ersten Minuten
Öffnen Sie die Karte in der Benachrichtigung und sehen Sie nach, an welchen Orten das Tag gemeinsam mit Ihnen erkannt wurde. Die Karte zeigt weder, wo sich der Besitzer des Tags befindet, noch wann dieser den Standort abgerufen hat. Sie zeigt lediglich die Orte, an denen Ihr Smartphone das Tag zusammen mit Ihnen erkannt hat. Wenn die Route Ihr Zuhause, Ihren Arbeitsplatz oder andere regelmäßig von Ihnen besuchte private Orte umfasst, erstellen Sie Bildschirmaufnahmen. Auch die Uhrzeit der Warnung, der Gerätetyp und die angezeigten Identifikationsmerkmale können dokumentiert werden.
Wenn Sie sich bedroht fühlen, suchen Sie nicht an einem abgelegenen Ort nach dem Gerät und fahren Sie nicht direkt nach Hause. Begeben Sie sich an einen hellen, videoüberwachten Ort, an dem sich andere Menschen aufhalten, und teilen Sie Ihren Standort einer Vertrauensperson mit. Rufen Sie bei akuter Gefahr die 112 an. Die verdächtigte Person zur Rede zu stellen oder allein zu ihr zu gehen, ist keine sichere Methode zur Klärung der Situation.
## Wie sucht man nach dem Tag?
Verwenden Sie die Funktion zur Tonwiedergabe auf dem Warnbildschirm. Laut den Erläuterungen von Google und Apple wird der Besitzer eines unterstützten Tags nicht benachrichtigt, wenn Sie darauf einen Ton abspielen. Wenn Sie nichts hören, bewegen Sie sich etwas und versuchen Sie es erneut. Das Tag könnte sich außerhalb der Bluetooth-Reichweite befinden, sein Ton könnte gedämpft worden sein oder es könnte nicht mehr in Ihrer Nähe sein.
Prüfen Sie das Innenfutter von Taschen, unbenutzte Fächer, Jacken und geliehene Gegenstände. In einem Auto können Sie unter den Sitzen, im Kofferraum, rund um die Nummernschildhalterung und an schwer zugänglichen Außenbereichen nachsehen. Greifen Sie nicht in gefährliche Fahrzeugteile ein. Bitten Sie bei Bedarf eine vertrauenswürdige Werkstatt oder die Polizei um Hilfe.
Unter Android können die Menünamen je nach Version abweichen. Eine manuelle Suche lässt sich jedoch unter Einstellungen > Sicherheit und Notfälle > Warnungen vor unbekannten Trackern starten. Google zufolge ist die Funktion ab Android 6 verfügbar; für automatische Warnungen muss die Standortermittlung aktiviert sein. Die manuelle Suche kann bei einigen Versionen auch bei deaktivierter Standortermittlung funktionieren. Auf dem iPhone können Sie auf die eingegangene Benachrichtigung tippen und die Karte, die Funktion zur Tonwiedergabe sowie die Anweisungen zum Deaktivieren des Geräts aufrufen.
## Sollten Sie ein gefundenes Gerät sofort entfernen?
Sichern Sie zunächst Beweise. Erstellen Sie Bildschirmaufnahmen von der Warnung und der Karte und fotografieren Sie das Tag an seinem Fundort. Bei unterstützten Tags können Sie das Smartphone in die Nähe halten, um die Seriennummer oder teilweise verborgene Angaben zum Besitzer anzuzeigen. Speichern Sie diese Informationen, veröffentlichen Sie sie aber nicht im Internet. Die Polizei kann das Gerät, seine Seriennummer und die Routendaten für eine mögliche Untersuchung anfordern.
Das Ausschalten von Bluetooth oder der Standortermittlung auf Ihrem Smartphone sowie das Aktivieren des Flugmodus deaktivieren das Tag nicht. Diese Maßnahmen können lediglich die Erkennungsfähigkeit Ihres eigenen Smartphones einschränken; andere Geräte in der Umgebung können das Tag weiterhin erkennen. Die tatsächliche Deaktivierungsmethode hängt vom Modell ab und wird in der Benachrichtigung oder in der offiziellen Anleitung des Herstellers erläutert. Befolgen Sie die Anweisungen, wenn der physische Eingriff Ihre Sicherheit erhöht. Bei einem ernsthaften Verdacht auf Verfolgung kann es jedoch sinnvoller sein, mit der Polizei zu besprechen, wie die Beweise zu sichern sind.
## Wie lässt sich die Möglichkeit eines Fehlalarms beurteilen?
Das Tag eines Mitreisenden, ein Gegenstand, der sich in öffentlichen Verkehrsmitteln längere Zeit in Ihrer Nähe befand, oder ein Ihnen übergebener Schlüssel können eine Benachrichtigung auslösen. Wenn Sie den Besitzer gefahrlos um Bestätigung bitten können, fragen Sie, ob das Gerät ihm gehört. Passt die Erklärung nicht zur Route und zum Zeitraum, erscheint dasselbe Tag am folgenden Tag erneut oder setzt sich die Benachrichtigung zwischen Ihren privaten Adressen fort, sollten Sie die Situation nicht als gewöhnliche räumliche Nähe abtun.
Warnsysteme sind nicht vollkommen: Die Benachrichtigung kann verzögert eintreffen, das Gerät kann die Reichweite verlassen oder seine Kennung ändern. Eine einzige erfolglose Suche beweist daher nicht zweifelsfrei, dass sich kein Tag in Ihrer Nähe befindet. Bleibt der Verdacht bestehen, wiederholen Sie die Suche an einem anderen Ort, untersuchen Sie Ihre Gegenstände gemeinsam mit einer anderen Person und holen Sie professionelle Hilfe ein.
## Checkliste zur Vorbeugung
Halten Sie das Betriebssystem Ihres Smartphones und die Google Play-Dienste auf dem neuesten Stand. Deaktivieren Sie die Warnungen vor unbekannten Trackern nicht und beachten Sie, dass beim Ausschalten frühere Aufzeichnungen gelöscht werden können. Führen Sie bei Verdacht nach einer langen Fahrt, nach Carsharing oder nach der Übergabe eines Gegenstands eine manuelle Suche durch. Wenn eine nahestehende Person eine Verfolgung befürchtet, sollten Sie ihr schließlich nicht nur technische Ratschläge geben, sondern sie auch dabei unterstützen, einen sicheren Ort zu erreichen, Aufzeichnungen zu erstellen und Hilfe von den zuständigen Stellen zu erhalten.